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Blog Update Produktionskosten

Ein Beitrag von Martin Elwert in der Kategorie #News  vom 4. März 2019

Was ist ein so genanntes “Living income”? Es ist das Einkommen, welches uns die einfachsten Dinge finanziert, die wir zum Überleben benötigen. Dazu gehört eine Art Dach über dem Kopf, Essen, etwas Licht und Geld, um unsere Kinder zur Schule schicken zu können.

Letzte Woche verbrachte ich in West-Äthiopien, wo ich Kaffeefarmer interviewen durfte, in der Hoffnung herauszufinden ob die Preise, die wir für den Grünen Kaffee zahlen, sich wesentlich auf den Lebenshaltungskosten, der Bauern mit denen wir zusammen arbeiten, auswirken. Diese sollen auch die Produktionskosten decken. Wir wollen herausfinden, ob genau dies eine potentiell lebenswandelnde Einkommensquelle ist.

Was wir bis jetzt wussten ist, dass die Preise, die wir in Äthiopien zahlen, auf den Kooperativ Level aufgeteilt wurden und wie viel ein Farmer theoretisch pro Kg erbrachten Kaffeekirschen bekommen sollte. Nun stellte sich die Frage, ob dies ausreichte – zusammen mit weiteren Anbau und Einkommensquellen, um Lebenshaltungskosten vollständig zu decken.

Was wir auch bisher wussten ist, dass System der Kooperativen Herausforerung mit sich bringt im Bezug auf gute (oder schlechte) Leitung, wie auch in der Unions Praxis. Die Kaffee Union ist der Zentralverband, der den Kooperativenkaffee für den Export vorberbereitet und international vermarktet. Dazu kommen noch weitere Dienstleistungen, die den Kooperativen von der Kaffee Union angeboten werden. Genau diese Herausforderungen haben wir bei unserer Umfrage nicht unter Betracht genommen, jedoch stellen wir fest, dass diese einen enormen Einfluss auf die Mindesterhaltungskosten haben.

Unterstützt wurde ich von Sara Morrocchi aus Vuna Origin in Amsterdam, eine erfahrene Beraterin in der Kaffeindustrie und eine passionierte Kaffeeliebhaberin, vor allem wenn es um Beratung von Kaffeebauern und Verbesserung der Lebensumstände jener geht. Außerdem unterstützten uns Meded und Moata von CoQua Coffee Consultants, ein Partner mit dem wir schon seit vielen Jahren in Äthiopien arbeiten und der unser Qualität und Produktion Programm in der Agaro und Jimma Region führt. Beteiligt daran sind insgesamt 14 Kooperativen, mit ungefähr 8.000 Kaffeebauern.

Insgesamt führten wir 27 Interviews durch, jedes dauerte zwischen 45-60 Minuten. Wenn sich die gesammelten Daten als nützlich erweisen, können wir in den zukünftigen Wochen die Erhebung erweitern.

Es folgt noch ein weitaus ausführlicherer Bericht. Jedoch müssen wir zu allererst unsere Ergebnisse überprüfen und mit aktuellen Studien über die Peripherie der Jimma/Agaro Region abgleichen.

In a meeting
Focus
Kooperative

Im Folgenden findest du Fragen, die wir an die Farmer gestellt haben, einschließlich mit Beispielantworten. Dies soll als Orientierung dienen und dir einen Eindruck geben, was wir versuchen zu analysieren und wie die gegenwärtige Situation der Kaffeebauern aussieht. Hiermit möchte ich mich nochmals bei den interviewten Farmern bedanken, dass sie sich für uns Zeit genommen haben und für ihre Offenheit.

Wie viele Menschen leben unter deinem Dach und sind auf das Haushaltseinkommen angewiesen?

Neun Menschen. Ich habe acht Kinder und dann gibt es noch meine 2 Ehefrauen und meine Mutter. Aber zwei meiner Töchter sind verheiratet und leben nicht mehr bei uns. Also sind es neun Menschen.

Wie viele Familienmitglieder tragen zum Haushaltseinkommen bei?

Nur ich.

Was ist mit der Erntezeit?

Zwei meiner Sühne helfen mir, halbtags nach der Schule für drei Monate, fünf Tage die Woche. Und meine Ehefrau hilft auch, ganztägig während der Erntezeit.

Aber sie holt auch Feuerholz und Trinkwasser an diesen Tagen?

Ja.

Wie viel Zeit benötigt sie, um Feuerholz und Trinkwasser zu holen?

Ungefähr vier Stunden am Tag.

Ok, dann hilft sie wohl eher halbtägig beim Kaffeepflücken?

Ja, halbtägig.

Das heißt, dass du das ganztägig und deine zwei Söhne und Ehefrau halbtägig machst?

Ja. Ok, dann sind es 2,5 Menschen die während der Erntezeit zum Haushaltseinkommen beitragen.

Wie viel Geld gibst du monatlich für Essen aus – für den gesamten Haushalt?

Für Teff, für Mais, für Gewürze, Salz, Zucker, Kochöl … 2400 Birr. (ungefähr 70 EUR)

Was sind weitere Kosten, die du hast?

Handy und Internet 150 (5 EUR pro Monat), 

Transport 240 (7,40  EUR pro Monat),

Schulgebühren 50 (1,50 EUR pro Monat – weil ein Sohn studiert, was 500 im Jahr ist),

Elektrizität (Solar) 20 (0,60 EUR pro Monat) für Batteriewechsel,

Was baust du neben Kaffee noch auf deinem Land an?

Avokado, Tef, Mais, Zierbananen. Alles für Eigenverbrauch, mit der Ausnahme, dass ich manchmal einige Avokados verkaufe; 5 Birr pro kg (= 1,30 EUR). Gesamteinkommen im Jahr betragen ungefähr 300 Birr (9,20 EUR). Ich habe ebenfalls eine Kuh, aber sie gibt noch keine Milch. Und ich habe vier Hühner, aber es ist eine lokale Zucht, die legen nur 5 Eier pro Monat.

Wie viel Kaffee produzierst du und wie viel verdienst du daran?

Letztes Jahr habe ich 600 kg Kaffeekirschen (100 kg Grünkaffee). Ich habe 300 kg an einen privaten Sammler für 12 Birr pro kg Kirschen verkauft (= 0,31 EUR Cent)

(Notiz: Wenn Kaffeebauern an Kooperativen verkaufen, können diese ein zweite Bezahlung erwarten.)

Hast du auch sonnengetrockneten Kaffee produziert?

Ja, ungefähr 180 kg.

Und hast du diesen verkauft?

Nein, wir behalten es als Einsparung.

Was ist der Preis für sonnengetrockneten Kaffee auf dem lokalen Markt?

25 Birr pro kg. (Notiz: 1 kg reife Kirschen = 0,3 kg sonnengetrocknete Kirschen)

Natur-Meeting
Erklärung der aktuellen Situation
Focus in the meeting
Martin im Interview mit den Leuten aus der Kooperative in Äthiopien
Meeting
Adding the numbers

Das war nur ein kurzer Umreißung vom Verlauf des Interviews. Ich bin selber sehr gespannt über die Endergebnisse.

Nun müssen wir unsere Hausaufgaben machen. Wir müssen die Daten zusammenführen, überprüfen und die erste Analyse durchführen. Wir hoffen darauf unsere Ergebnisse auf dem World of Coffee im Juni vorzustellen. Natürlich werden wir sie ebenfalls online veröffentlichen.

Ich freue mich herzufinden, was für eine Rolle Kaffee für das Einkommen spielt und wie die Kostenstruktur eines Kaffeebauers am Ende aussieht. Kaffee ist für viele Farmer oftmals das einzige Cash Crop – also die Ernte, die sie verkaufen, um Geld zu verdienen. Jedoch, basierend auf den Daten, die wir gesammelt haben, bin ich mir unsicher, dass es reicht. Es ist offensichtlich, dass Kaffeebauer und deren Familien sehr nahe an der sogenannten Armutsgrenze leben. Sie verdienen weniger als 2 USD pro Tag, obwohl der Preise, die wir ihnen heute zahlen.

Martin Elwert

Martin ist seit 2010 Gründer und Geschäftsführer von Coffee Circle. Er ist jedes Jahr in verschiedenen Kaffee-Ursprungsländern unterwegs und maßgeblich an der Umsetzung unserer sozialen Projekte beteiligt.

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